Nov 6, 2009
The social Social Media
Welche Vorstellungen haben wir von Jemanden, der viel Zeit am Rechner verbringt?
In der Regel wird er als männlich abgetan, pickelig, untersetzt, vielleicht stotternd, ohne reale Freunde und vielleicht mit einer dominanten Mutter (falls ihm überhaupt Familie zugestanden wird). Ein richtig armes Schwein eben, das keine andere Kommunikation zu haben scheint als vereinsamt über die Tastatur seines PCs.
Das dieses Bild von Vorurteilen behaftet ist, ist wohl den Meisten klar. Das es jedoch gänzlich an der Realität vorbei geht – nicht. In der Tat sind nämlich Diejenigen, die auf den ersten Blick scheinbar zu viel Zeit mit webfähigen Geräten verbringen und sich den Vorwurf der sozialen Entfremdung gefallen lassen müssen, erstaunlicherweise gerade Diejenigen, welche permanent soziale Kontakte pflegen.
Es lebe das social Web.
Genannte Annahmen werden durch eine erst kürzlich veröffentlichte Studie des Pew Internet & American Life Projects der Universität von Pennsylvania belegt. Dieses ging dem Zusammenhang zwischen sozialer Isolation von US-Bürgern und neuen Technologien nach. Dabei lag das Hauptinteresse bei der Untersuchung des Einflusses des Internets und mobiler Einheiten auf persönliche Beziehungsnetzwerke.
Ausgangspunkt waren Untersuchungen, in denen bis 1985 ein Anstieg sozialer Isolation bzw. sozialer Entfremdung festgestellt wurde. Doch entgegen der oben geschilderten Vorurteile hatte sich mit der Ausbreitung neuer Technologien wie dem Internet das Vorhandensein sozialer Isolation um ein Drittel gemindert. Heute haben “nur” sechs Prozent der US-amerikanischen Bürger absolut Niemanden, mit dem sie reden könnten oder der als besonders wichtig in ihrem Leben erscheinen würde. Zwar hätten sich im gleichen Umfang die Diskussionsnetzwerke (im Sinne von den wichtigsten sozialen Beziehungsnetzwerken) verringert, jedoch nur auf den ersten Blick.
Der Durchbruch von Social Networking veränderte eigentlich nur die Kommunikationsformen, jedoch nicht Intensität der sozialen Interaktionen. Darüber hinaus finden sich in den persönlichen Beziehungsnetzwerken von denen, die Social Media nutzen, heute mehr Menschen unterschiedlicher Herkunft, als dies zuvor der Fall war. Scheu vor Fremden (sowohl in Bezug auf Rasse, Religion oder politische Ansichten) scheint im Internet weniger eine Rolle zu spielen. Auch vermindert intensives Social Networking, also die interkative Teilhabe an sozialen Plattformen wie Facebook, MySpace, Youtube oder Flickr, nicht soziales Engagement vor Ort. Auch Nachbarn werden immer noch persönlich besucht. Erstaunlicherweise sind sogar Diejenigen, die selbst im Internet aktiv sind, vermehrt ehrenamtlich engagiert. Die Nutzung mobiler Internetzugänge via Handy etc. würde sogar die Beziehungen zum engsten Kreis festigen, da Menschen auf diesem Wege beständig den engen Kontakt mit ihren Liebsten aufrecht erhalten; auch über größere Distanzen.
So kann insgesamt festgestellt werden, dass durch den Gebrauch von Internettechnologien die persönlichen Netzwerke stabilisiert und ausgebaut werden. Entgegen der Annahme, Zeit im Internet wäre einsam verbrachte Zeit, werden gerade über Social Media Plattformen nicht nur bestehende soziale Beziehungen gefestigt, sondern in einer größeren Vielfalt ausgebaut.







