Sep 23, 2009
Internet in der Türkei
2005 hatten laut Statistica nur 7,66 aller türkischen Haushalte einen Internetzugang, was einer nicht Mal einprozentigen Steigerung zum Vorjahr entsprach. Auf der anderen Seite wurde im selben Jahr gemeldet, dass die Türkei mit 37 Prozent das weltweit höchste prozentuale Wachstum an Breitbandzugängen hat.
Für das Jahr 2009 werden 26,5 Millionen Internetnutzer angegeben, womit 36 Prozent der Gesamtbevölkerung Zugang zum WWW hätten (wobei hier von Internetnutzern, nicht von Haushalten mit Internetzugang gesprochen wird). Dabei gibt das Statistikamt der Türkei an, dass 24,5 Prozent der türkischen Haushalte einen Zugang hätten, wovon wiederum 82 Prozent eine DSL Verbindung besäßen.
Internetnutzung
Der Anteil der Männer ist bei der Internetnutzung deutlich höher als der von Frauen. Als Gründe, warum das Internet insgesamt wenig genutzt wird gibt der Großteil der Befragten fehlende Zeit, aber auch Sprachbarrieren und fehlenden Zugang an. Und auch hier ist wie in den meisten Staaten der Anteil der 16- bis 24-jährigen am größten (55 Prozent), gefolgt von den 25- bis 34-jährigen (41 Prozent).
Die meisten türkischen Surfer lesen Nachrichten im Internet, gefolgt von E-Mail-Verkehr sowie dem Herunterladen und Anhören von Musik. Weiterhin hatten 2008 immerhin schon 7,2 Prozent der Internetnutzer online eingekauft.
Durchschnittlich bewegten sich die Menschen in der Türkei (ebenso wie Menschen aus Venezuela) im Mai 2009 3,7 Stunden in sozialen Netzwerken; wobei die Deutschen auch nur 0,8 Stunden mehr in MySpace & Co verweilten. Dabei nutzten die meisten türkischen sozialen Netzwerker (im Frühjahr 2009) Facebook als soziale Kommunikationsplattform (12,4 Millionen).
Internetsperren
Sehr zum Bedauern von Reporter ohne Grenzen hat 2007 der türkische Präsident Ahmet Sezer neue Internetsperren etabliert. Strafbar macht sich seitdem auch, wer Staatsgründer Atatürk beleidigt. Dabei nahmen die Behörden die Provider in die Pflicht, denn diesen obliegt es selbst, Webseiten zu sperren und sie zur Begutachtung einem Richter vorzulegen. Damit versuchen die Behörden ganz klar, Selbstzensur zu installieren.
Für die Umsetzung des Gesetzes zur “Vermeidung von Verbrechen im Computerbereich” wurden extra zwei Behörden ins Leben gerufen. Diese sollen zum einen die Verantwortlichen der Atatürk-lästerlichen Inhalte ausmachen und zum anderen, die weitergeleiteten Beschwerden bearbeiten. Ebenfalls 2007 sollte der freie Videokanal Youtube erstmalig durch die Turc Telecom aufgrund eines umstrittenen Videos gesperrt werden, was durch die Löschung des besagten Videos jedoch verhindert werden konnte.
Weitere Sperren gab es 2008 aufgrund einer Klage der türkischen Fernsehanstalt Digitürk, wodurch die von Google bereitgestellten Dienste Blogger.com bzw. Blogspot.com abgeschaltet wurden –ohne Vorwarnung und nur, weil ein einzelner Blog als problematisch empfunden wurde (wobei die Klage eigentlich mit einer Urheberrechtsverletzung zu tun hatte). Schließlich fielen Youtube, Dailymotion und Google doch weiteren Sperren zum Opfer, die auf das Gesetzes zur „Verhinderung von Straftaten im Informatikbereich“ bezogen wurden (seit November 2007 in Kraft).







